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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

K 2: „Leichtsinnsfehler“ mit tödlicher Folge

Meine Gedanken sind bei Gerlinde. Was geht jetzt wohl in ihr vor? Zweimal innerhalb von drei Jahren musste die 39 Jahre alte Österreicherin miterleben, wie in unmittelbarer Nähe befreundete Bergsteiger tödlich verunglückten. 2007 am Dhaulagiri geriet sie selbst in eine Lawine, konnte sich aber aus den Schneemassen befreien. Die Spanier Santiago Sagaste und Ricardo Valencia hatten weniger Glück und kamen ums Leben. Und jetzt am K 2 wieder so ein Schockerlebnis: Vor Gerlindes Augen stürzte der Schwede Fredrik Ericsson, mit dem sie zu einem Gipfelversuch aufgebrochen war, an ihr vorbei rund 1000 Meter tief in den Tod.


Gedenkstelle für die Opfer des K 2: Ericsson war das 79.

Gerlinde erholt sich im Basislager vom Schock

Gerlinde kam mit einem tief sitzenden Schrecken davon. Am gestrigen Abend erreichte sie wohlbehalten den Wandfuß, ihr Ehemann Ralf holte sie dort ab. Jetzt erholt sie sich im Basislager von dem Schock. In einem Interview per Satellitentelefon sagte Ralf, der Unfall gehe Gerlinde sehr, sehr nahe: „Den Tod eines guten Bekannten zu verkraften, den sie aus nächster Nähe hat abstürzen sehen, dafür wird sie noch lange brauchen.“ Laut Ralf war ein „Leichtsinnsfehler“ Fredriks der Grund für seinen Absturz. Beim Einschlagen eines Hakens habe sich der 35-Jährige zu wenig darauf konzentriert, fest zu stehen. Er sei abgerutscht und habe sich nicht mehr halten können.

Berg selten schuld

Ralf und Gerlinde, die Jahr für Jahr an den höchsten Bergen der Welt unterwegs sind, mussten immer wieder erleben, wie Freunde, Weggefährten und Bekannte aus der Extrembergsteiger-Szene ums Leben kamen. Die meisten Todesfälle seien dabei jedoch auf Fehler der Bergsteiger zurückzuführen gewesen, sagte mir Ralf einmal, als er auf über zwei Jahrzehnte Expeditionen zurückblickte. Der Berg sei in den seltensten Fällen schuld gewesen.

Datum

7. August 2010 | 14:58

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